Ed Wood
Der ihm posthum zugesprochene Titel des "Schlechtesten Regisseurs aller Zeiten" ist schon deshalb nicht haltbar, weil Superlative kurzlebig sind und weil sich die Filmindustrie und -kunst, als typisches Produkt der Moderne, permanent wandelt und einheitliche Standards nicht zu halten sind und Kunst, und dazu hat sich die ursprüngliche Jahrmarktsattraktion Film emanzipiert, solche nicht kennt.
Wo der Film seinen Ursprung hatte, dass er schnelle und billige Unterhaltung für sog. einfache Leute war und lange Zeit sein sollte, das nie zu vergessen hilft uns heute noch Edward Davis Wood Jr. (1924-78).
Was Ed Wood in seinen sog. Z-movies anstellte (es gab einmal die Klassifizierung A-movies, B-movies bis hin zu den allerschlimmsten, den Z-movies), sehr, sehr einfache Plots, groteske Darsteller, Overacting bzw. Non-Acting von Amateuren, technischer Dilettantismus, Discontinuity, billige Spezialeffekte und vieles mehr, wurde von nachfolgenden Generationen von Filmemachern der Avantgarde bewusst eingesetzt. Angefangen beim Regisseur und Produzenten sehr erfolgreicher B-movies Roger Corman, über die Underground-Filme der 60er Jahre (Warhol, Mekas) bis zu den aktuellen Machern des postmodernen Kinos, das weitgehend lebt von Pastiche, Dekonstruktion, Selbstreferenz und Retrospektive. Besessenheit ist ein Merkmal, das viele neue Macher mit Ed Wood teilen, der sich in dieser Hinsicht gerne mit Orson Welles verglich. Unbeirrt, ohne große Mittel und zunächst ohne großes Echo ging Fassbinder vor, und Kaurismäki, und Schlingensief. Wood hatte den Vorteil, dass er zeitweise angestellt war bei der großen Hollywood-Maschine, die in großem Umfang von Billigstproduktionen lebte und die alles verwertete, was sich nur irgendwie an Kinos verleihen ließ, auch Z-Filme.
Tim Burton selbst ist ein Connaisseur der vielen Genres des B-Films (Trash, Monster, Exploitation, Splatter, Gothic uvm) und deshalb ist es völlig konsequent, dass er einem unbewussten Pionier des modernen Kinos einen Film widmete.