Die Schachspielerin
Hélène ist Zimmermädchen im Hotel und Putzfrau beim kauzigen Dr. Kröger und hat sich mit ihrem Leben arrangiert. Alles ändert sich, als sie beim Bettenmachen ein Pärchen auf dem Balkon beobachtet, das beim Schachspielen Zärtlichkeiten austauscht. Ihr Ehrgeiz erwacht und sie beschließt, das Königsspiel zu lernen. Nachts übt sie allein am Schachcomputer. Als Kröger ihr aus einer Laune heraus das Spielen beibringen will, ist er beeindruckt, wie gut sie ist.
In ihrem Debütfilm erzählt Caroline Bottaro die Metamorphose vom fleißigen Lieschen zur kämpfenden Frau, die ihr Leben umkrempelt und am Ende nicht nur souverän ein Schach-Turnier gewinnt, sondern auch Selbstsicherheit und strahlende Weiblichkeit. Das Schachspiel ist Leidenschaft, Kommunikations- und Verführungsinstrument, der Lernprozess läuft parallel mit der Öffnung hin zu einer anderen Welt. Beeindruckend ist, mit welcher Bestimmtheit die filigrane Bonnsire die Kluft zwischen Arbeiterschicht und Bourgeoisie demonstriert und zielgenaue Dialoge soziale Realität umreißen und damit ein Bild französischer Wirklichkeit zeichnen. Allein die Szenen, in denen sich ein anfänglich snobistischer Kevin Kline als Dr. Kröger und eine anfänglich unsichere Bonnaire Zug um Zug im Spiel und im Gefühl bis zum Schachmatt messen, lohnen den Kinobesuch.