Mahler auf der Couch
Etwa ein Jahr vor seinem
Tod gerät Gustav Mahler, der gefeierte Komponist und Dirigent
der Wiener Staatsoper, in eine schwere existenzielle Krise, die
auch seine musikalische Schaffenskraft lähmt.
Durch einen falsch adressierten Brief - eine Freudsche Fehlleistung
des Absenders - erfährt Mahler, dass seine fast 20 Jahre
jüngere Ehefrau Alma eine leidenschaftliche Beziehung mit
dem späteren Bauhaus-Gründer Walter Gropius hat. Rasend
vor 
Eifersucht und unfähig, seiner Arbeit weiter nachzugehen,
wendet er sich tatsuchend an den etwa gleichaltrigen Nervenarzt
Siegmund Freud, der sich mittlerweile als Psychiater einen Namen
gemacht hat und den Mahler aus den Kreisen der Wiener Secession
kennt. Freud macht zwar gerade Urlaub im niederländischen
Leiden (!), doch für das Musikgenie nimmt er sich gerne ein
paar Tage Zeit. Statt Trost zu spenden, bringt er den alten Bekannten
allerdings zu Einsichten, die unbequem und schmerzhaft sind.
"Dass es geschah, ist verbürgt. Wie es geschehen ist,
haben wir erfunden." Und was das Regieduo Percy und Felix
Adlon erfindet, ist ein Melodram mit Witz und Geist, in dem sich
die beiden Protagonisten in Wortgefechten messen, in denen Mahler
meist den kürzeren zieht.
Rückblickend erfährt Mahler (und der Zuschauer), dass
die lebenslustige und ambitionierte Alma Schindler seinerzeit
für ihren "Star" die eigene Karriere opferte, um
ihm den Rücken zu stärken, während sich Gustav
Mahler, schon 41jährig, mit einer jungen attraktiven Frau
schmückte, die ihm Verheißung für Inspiration,
Leidenschaft und Vaterglück war. Das konnte nicht gut gehen.
Mit sanfter Ironie und amüsanten Bonmots führen die
Adlons durch die Männer- und die Frauenpsyche und bewahren
trotz alter Schwere eine gewisse Leichtigkeit,
Selbstverständlich darf die Musik nicht fehlen - das Adagietto
aus der 5. Sinfonie, das "Ruhevoll" aus der 4. Sinfonie
und der 1. Satz aus der 10. Sinfonie.