Welcome
erzählt die Geschichte zweier Männer, die das Schicksal an der französischen Kanalküste zusammengeführt hat:
Da ist zum einen der 17jährige Kurde Bilal. Er kommt aus dem Irak, ist auf abenteuerlichem Weg quer durch Europa gereist und will unbedingt nach England, weil dort seine Liebe, Mina, lebt, die mit ihrer Familie aus politischen Gründen aus der Heimat flüchtete. Da ist zum andern der doppelt so alte Bademeister Simon, ein ehemaliger Rekordschwimmer, der in Scheidung lebt und seine Frau, die er immer noch liebt, zurückgewinnen möchte.
Eigentlich eine sehr private Geschichte über die Macht der Liebe - wären da nicht die politischen Implikationen.
Denn an der nordfranzösischen Küste, rund um Calais, sammeln sich seit Jahren Tausende von illegalen Flüchtlingen aus Afrika und Asien - wie Bilal -, um ins gelobte (Eng-)Land jenseits des Ärmelkanals zu gelangen - sei es auf Schiffen übers Meer, sei es durch den Kanaltunnel.

In Großbritannien versprechen sie sich mehr Arbeit, großzügige Sozialleistungen und weniger Bürokratie als in Frankreich oder anderen Staaten des europäischen Kontinents. Seit das umstrittene Auffanglager des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Sangatte 2002 geschlossen wurde, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen, leben sie unter elenden Bedingungen in notdürftigen Behausungen und illegalen Camps, die regelmäßig von der Polizei zerstört werden. Gesetzliche Vorschriften aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stellen ihre Unterstützung unter Strafe und setzen ehrenamtliche Helfer mit kommerziellen Fluchthelfern gleich. Jeder, der illegalen Migranten den Aufenthalt in Frankreich "erleichtert", muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.
Auch wenn der Film die etwa märchenhaft wirkende Geschichte der beiden Männer - Simon nimmt Bilal bei sich auf und bildet ihn als Kanalschwimmer aus - in den Mittelpunkt stellt, kann er doch die politische Brisanz des settings nicht ausblenden.
WELCOME zeigt, dass es unter den Einheimischen nicht nur die gibt, die die Flüchtlinge mit Lebensmittel versorgen, sondern auch jene, die die Flüchtlinge am liebsten sofort abschieben würden und das harsche Vorgehen der Polizei auch gegen die humanitären Helfer für gut heißen. Er zeigt Intrigen und Missgunst unter den Flüchtlingen, und er zeigt die Fragwürdigkeit immigrierter Traditionen: Bilals Liebe droht nämlich nicht nur an der europäischen Flüchtlingspolitik, sondern auch an den Wertvorstellungen seiner Landsleute zu scheitern. Mina darf ohne die Zustimmung ihres Vaters England nicht verlassen, und die wird Bilal ohne die Zustimmung ihres Vaters, für den die Ehe seiner Tochter mit einem mittellosen Flüchtling undenkbar ist, nicht heiraten dürfen.
Bilals Traum ist, beide Hürden zu überwinden; willkommen ist er nirgends - WELCOME!