She, a Chinese
Die Trostlosigkeit des ländlichen Lebens in China prägt den Alltag der jungen Mei. Die Zusammensetzung aus Arbeit, wenig versprechenden Flirts und Langeweile hat schon längst an Rhythmus verloren - da hilft auch nicht der Fluchtversuch mittels mp3-Player. So packt Mei entschlossen ihre Koffer, um in der nächstgrößeren Stadt neu anzufangen. In Person von Spikey, einem Banden-Gangster, scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch das ist nur von kurzer Dauer, denn Spikeys letzte Auftragsarbeit endet tödlich. Mit dessen gespartem Geld bricht Mei nach London auf. Unstet und ohne Ziel trudelt das junge Mädchen in die Ehe mit dem 70-jährigen Engländer Mr. Hunt. Die Regisseurin Guo Xiaolu nimmt den Zuschauer behutsam an die Hand, um von Alleinsein, Liebe und dem Wunsch, geliebt zu werden, zu erzählen. Die in Bilder gefasste Poesie der Einsamkeit gründet in ihrer Autobiographie. Auch sie sah sich zum Auszug und zum Neuanfang in einer westlichen Welt gezwungen. Xiaolus binärer, persönlicher Blick verleiht ihrer Independent-Produktion die zur Identifikation notwendige Authentizität und wurde in Locarno zu Recht mit dem Goldenen Leoparden belohnt.